Der Dessauer Zukunftskreis (DZK) ist am 24. und 25. April 2026 zu einem Arbeitstreffen in Leipzig zusammen gekommen. Das Thema dieses Mal war Freiberuflichkeit von Tierärzt:innen bzw. die Frage: Hat Freiberuflichkeit in der Tiermedizin eine Zukunft?
Hierzu gab es einen Austausch mit externen und internen Fachexperten, zu den Pro‘s und Con‘s des „Freien Berufes Veterinärmedizin“.
Gastgeber war dankenswerter Weise die Leipziger Messe.
Nach der Begrüßung und Einordnung des Status quo durch den Vorstand des Dessauer Zukunftskreis wurde zunächst die Agenda und das Verständnis von Freiberuflichkeit inkl. der unterschiedlichen und vielfach uneinheitlich gebrauchten Begriffe geschärft.
Prof. Dr. Thomas Brockmeier (IHK Halle Dessau, Martin Luther Universität Halle Wittenberg) beleuchtete am Freitag die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und aktuellen Entwicklungen für Unternehmertum in Mitteldeutschland.
In der Diskussion „Freiberuflich oder angestellt in der Praxis?“ zeigten Dr. Volker Jähnig (Tierarztpraxis in Leipzig, Vizepräsident LTK Sachsen) und Dr. Katharina Gratzke (Tierarztpraxis Gommern, Vorstand LFB) sehr praxisnah die unterschiedlichen Perspektiven sowie die Vor- und Nachteile der selbstständigen tierärztlichen Arbeit auf.
Fachjournalist Jörg Held ergänzte dies mit aktuellen Zahlen. Er begann mit der Pyramide der Freien Berufe, die er auf die Tiermedizin und die kurative Praxis fokussierte. Außerdem verdeutlichte er den Wandel hin zu einem Angestelltenberuf. Denn neben einer seit mehr als 20 Jahren stetig wachsenden Zahl an tierärztlichen Angestellten, gibt es seit 2019 auch einen Rückgang bei den Inhaber:innen. Insbesondere die Selbständigkeit von Frauen stagniert, obgleich der Frauenanteil in der Tierarztpraxis kontinuierlich steigt.
Gleichzeitig wächst auch der Bedarf an Nachfolger:innen, nicht zuletzt durch die ausscheidenden Babyboomer. Demgegenüber steht laut dem TVD job.vet Gehaltsreport 2022/2024/2026 das sinkende Interesse an einer Niederlassung.
Diese Dynamik bei den Veränderungen bedeutet: Von den rund 5.000 Praxisinhaber:innen mit Alter über 55 Jahren, die in den nächsten 10-15 Jahren in den Ruhestand wechseln, wird ein großer Anteil keine tierärztliche Nachfolgerin finden. Das kann zu regionalen und tierartenspezifischen Versorgungsengpässen führen.
Dr. Thomas Grammel (Vorsitzender des Versorgungswerkes Niedersachsen) richtete in seinem Vortrag den Blick in die Zukunft der Versorgungssysteme und zeigte die Auswirkungen von Teilzeitquoten, steigender Zahl angestellter Tierärzte und Corporates.
Ein weiterer spannender Impuls kam von Tim Kasten (TVD – Partner für Tierärzte), der die Niederlassung in der Veterinärmedizin als echte Zukunftschance einordnete und verschiedene Gründungsbeispiele vorstellte.
Fazit: Durch die Vorträge und Diskussionen stellte sich heraus, dass die Bandbreite der Freien Beruf und Freiberuflichkeit in der Veterinärmedizin und die damit einhergehenden Privilegien sowie Pflichten nicht ausreichend präsent sind. Gleichzeitig kamen die Mitglieder des DZK zu dem Schluss, dass es wichtig ist, sich für den Erhalt des Freien Berufs für Tierärzte einzusetzen! Über weitere Ergebnisse des Workshops werden wir noch berichten.



